Leonie-Sofie ist da oder der frühe Vogel…

fängt zu lächeln an. Bilde ich mir ein. Aber es fühlt sich so an. Das ist wie fliegen – nur noch schöner. Langsam lässt der Stress etwas nach und ich begreife: Ich habe nicht mit Allem gerechnet. Dabei habe ich das noch so großspurig behauptet und am Ende doch nur gedacht, dass außer Akkuleer und Netzkaputt nichts Schlimmeres passieren kann…

Aller Anfang kam zu schnell

Das Leben kann bitter sein. Und süß wie ein Apfel.

Unsere kleine Leonie-Sophie konnte es nicht erwarten. Ich wollte noch einen Obstbaum für sie pflanzen, aber das mache ich jetzt später, wenn sie zuhause ist. (Junge Obstbäume, sogenannte Containerware, kann man das ganze Jahr pflanzen). Ich finde, es muss ein Apfelbaum sein. Süß und rotbackig, so wie Leonie sicher bald über beide Wangen strahlt.

Sie wurde 36+0 geboren und damit vier Wochen zu früh. Mellies Fruchtblase platzte auf dem Weg nach Hause vom Fussballgucken. Wir waren so gut gelaunt, fröhlich und überhaupt nicht vorbereitet. Bis auf meinen kleinen Kreissaal-Koffer und Mellies Riesentasche in Katzenberger Pink… Dann musste alles ganz schnell gehen. Die Lieblingshebamme (oder auch Beleghebamme) wurde angerufen und Mellie und ich fuhren los. Ins Westend. Dort wartete schon Liesel, die Lieblingshebamme, mit roten Wangen wie ein Apfel und Glückstee für alle. Ich bin so froh, dass du da warst, Liesel!

Alles wird normaler

Die Geburt war dann rasant. Und Leonie einfach zu früh. Um 00.26 Uhr am 11.07. war sie da. Ich habe nur eine Erinnerung wie im Nebel daran. Bis zu dem Moment, wo ich sie kurz im Arm halten durfte. Da war dann alles klar. Kein Nebel mehr. Nur mein Kind und ich. Ich bin leider zu wenig schriftstellerisch begabt und kann es nicht anders beschreiben als: Alles war klar. 

Leonie musste dann auch auf die Frühgeborenen Intensivstation. Da ist sie noch immer. Seit 2 Tagen, aber spätestens übermorgen wird sie auf die Normalstation verlegt. Sie kann noch nicht richtig trinken und hat eine heftige Neugeborenengelbsucht entwickelt. Sie bekommt Infusionen in die Kopfvene und liegt im Wärmebett. Dieser Anblick macht mich wahnsinnig. So ein winziges Kind, 2.200g leicht und 43 cm klein, dass das aushalten muss. Ausserdem verliert sie gerade zuviel Gewicht. Ich mache mir Sorgen, Mellie noch mehr.

Aber die Ärzte und Schwestern beruhigen uns mit Fachwissen, erklären, dass Leonie nicht leidet und zeigen viel Gesprächsbereitschaft. Woran es lag, ist bisher noch unklar. Gründe für eine Frühgeburt gibt es viele. Wir sind froh, dass es wohl kein Grund ist, der Leonie langfristig beeinträchtigen wird. Auch andere Eltern mit noch viel früheren Frühchen nehmen uns immer wieder die Angst. Max-Luwig kommt heute mit Stine vorbei. Das freut mich total. Mellies Eltern sind seit gestern morgen fast rund um die Uhr da und die frischgebackene Oma hat jede Menge Essen mitgebracht und Gelassenheit. Stärkung und gute Worte können wir jetzt alle gebrauchen.

Alles Glück besiegt die Angst

Zart und stark: unsere Leonie-Sofie.

Es gibt nichts Schöneres, als endlich das Kind in den Armen zu halten, auf dass man sich so lange gefreut hat. Wenn das dann mit der Angst verbunden ist, diesem neuen kleinen Menschen könnte es nicht gut gehen, dann liegt auf dem Glück ein Schatten. Diesen Schatten vertreiben wir. Durch die tolle Unterstützung um uns herum, machen wir aus dem etwas zu frühen Start in die Welt das Beste und lernen dabei, dass man vor allem Mut haben muss – nicht Angst.

Unser Vögelchen Leonie wird bald in ihr Nest nach Hause flattern. Wir sind aber auch noch etwas flatterig. Vor allem Mellie. Deshalb haben wir uns Unterstützung gesucht beim DRK. Ich werde euch von unseren Erfahrungen berichten. Erstmal sind wir sehr dankbar, dass es diese Hilfe gibt.

Wir haben außerem das Glück, dass wir nicht wie andere Eltern, viele, viele Wochen in der Klinik bleiben müssen. Die Frühgeborenen brauchen ihre Eltern in dieser Zeit fest an ihrer Seite, auch wenn sie die meiste Zeit im Inkubator liegen. Die kleinen Strampler, manchmal noch viel zu schwach zum Strampeln, sind angewiesen darauf, dass man sie streichelt und zu ihnen spricht. Deshalb wird eigentlich in allen Neonatologie-Abteilungen die «Känguru»-Methode angewendet. Da wird das Kind dann immer wieder einige Minuten aus dem Inkubator genommen, auf die nackte Brust der Mutter gelegt und zugedeckt. Die Methode wurde in den 70er Jahren in Kolumbien/Bogota entwickelt. Sie ist heute fester Bestandteil der Therapie von Neugeborenen und fördert vor allem die Eltern-Kind-Bindung. Ich habe viel Respekt vor den Ärzten, dem Pflegepersonal und den Eltern, die das durchstehen. Chapeau!

Ach ja: Meine Froschbadehose habe ich ja nun nicht gebraucht. Die hätte wahrscheinlich eh der Storch gefressen… 😉 Alles wird gut. Daran glaube ich fest. Euer stolzer Vater.

P.S.: Der Countdown muss jetzt noch umgestellt werden. Bernd?! Läuft dann nicht mehr rückwarts. Läuft voran!

 

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Hi, ich bin Kalle, 38, immer auf meinem Bike der Welt zu Diensten und zusammen mit Mellie, der besten Frau der Welt, die nicht nur meine komischen Haare schneidet.

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1 Kommentar zu “Leonie-Sofie ist da oder der frühe Vogel…”

  1. Markus Meierhoff sagt:

    Gratualation und alles Liebe und Gute für Euch und Euer Vögelchen! Markus

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