Er ist geschlüpft!

Ab heute früh ist bei uns ein neuer Mann im Haus! Ziemlich gut genährt mit fast 4000g Geburtsgewicht und nicht gerade klein bei 54 cm. Unser Supermann Richard ist geschlüpft und kam mit Karacho auf die Welt. Der erste Schrei – was für eine Erleichterung! Das war Lungenkraft pur und eine glückliche Stine, die den Kaiserschnitt (sie hat sich ein paar Tage vorher doch noch dafür entschieden), gut überstanden hat.

Richard ist damit der Zweite aus unserer verrückten Vätertruppe! Glückwunsch jetzt auch hier und ganz offiziell an Mellie und Kalle! Meinen Beitrag zur Geburt von Leonie-Sofie, die mittlerweile zuhause ist, den reiche ich noch nach. Ich freue mich gerade wahnsinnig und fühle jetzt noch mehr mit Kalle und seiner Freundin mit, die den Schock langsam verarbeiten

Stine macht ihr Ding

Richard guckt natürlich lange nicht so grantig wie das Playmobil-Männeken auf dem Bild oben. Aber missmutig ist er trotzdem schnell. Nur eine Sekunde von Stines Brust mal weg und der kleine Kerl dreht durch. Aber wen stört das? Mich sicher nicht. Wer könnte Little Richard etwas übel nehmen? Er hat die Augen von Stine und den Mund von mir. Da kann er bald breit grinsen. Außerdem hat er schon ganz viele Haare und sieht total verstruwwelt aus. In Sachen Frisur bisschen so die Variante „Tim“…

Die Geburt war insgesamt entspannt. Wenn ich das als Mann so sagen darf. Ich mach´s einfach mal… Wir hatten am Ende ja einen festen Termin, aber haben das jetzt auch nicht aller Welt unter die Nase gebunden. Spontangeburt war lange ein Thema, aber dann bekam Stine so heftige Vorwehen und immer mehr Angst vor der Geburt. Der Geburtsvorbereitungskurs klang uns natürlich in den Ohren, die Vorteile, wenn man möglichst viel auf die Maschine Krankenhaus verzichtet. Alles klar, alles richtig.

Ich gebe zu, ich habe mich da rausgehalten und es Stine und ihre Freundinnen ausdiskutieren lassen. Die kamen ständig vorbei, haben Extra-Showers veranstaltet, saßen da und aßen auch Mango-Curry oder veganen Aufschnitt und das Thema Kaiserschnitt war ziemlich schnell durch, weil alle drei sich einig waren: Besser keine Angst. Das hat auch mich ruhiger gemacht. Ich war aber die meiste Zeit auf dem Golfplatz und habe mich ausgeklingt. Stine hat es mir nicht übel genommen, sondern die letzten Tage mit ihren Freundinnen ohne Kind, glaube ich, sehr genossen. Einfach quatschen, abhängen, alkoholfreien Hugo trinken und Netflix gucken.

Nach unseren Kurz-Ferien und nachdem Stine für sich eine Entscheidung getroffen hatte, ließ meine Panik deutlich nach. Ich habe gemerkt, ich kann nicht alles lösen, antizipieren, richtig machen. Manche Dinge muss man auch loslassen. Auf dem Golfplatz zum Beispiel, da bekomme ich den Kopf frei. Aber gegen Stines Sturkopf komme ich nicht an. Und wollte es auch nicht. Genausowenig wie die Hebamme. Stine legte den Geburtstermin fest, kurz vor dem errechneten. Am 24.07. sollte Richard schlüpfen und so war es dann auch: Am 24.07 um 09:51 Uhr war Richard da. Das ist nur wenige glückliche Stunden her.

Der türkise Thron der Kaiserin und ihres jungen Sohnes.

Der Kaiserschnitt, auch „sectio caesarea“ genannt, der steht ja mächtig in der Kritik, obwohl er immer populärer wird und nur in zehn bis 15 Prozent aller Fälle tatsächlich eine Indikation besteht. Da ist dann schnell von Wellness-Geburt die Rede. Insbesondere dann, wenn es ein Wunschkaiserschnitt war wie bei uns. Diesen Eindruck möchte ich vermeiden. Die Vor- und Nachteile hier mal kurz im Überblick:

Vorteile für Mutter und Kind

  • Keine Verletzungen wie Blasenschäden, Dammriss, Schambeinlockerung
  • keine Dehnung der Vagina und dadurch evt. Beeinträchtigung des sexuellen Lustempfindens
  • kein Sauerstoffmangel, der bei einer spontanen Geburt entstehen kann, weil das Kind im Geburtskanal stecken bleibt
  • Kinder sind angeblich stressresistenter, weil sie mit einer solchen Wucht das Licht der erblicken und dann selbständig atmen müssen, dass sie in Zukunft nicht mehr soviel schockieren kann… (wäre nicht mein Argument für den Kaiserschnitt)
  • planbarer Geburtstermin, damit der Mann zum Beispiel auf jeden Fall dabeisein kann
  • eine sehr anstrengende Schwangerschaft, oder als solche empfundene, kann ohne Probleme zwei bis drei Wochen früher beendet werden
  • Mütter, mit großen Ängsten vor der Geburt, haben so einen „Ausweg“
  • kaum bis gar kein Unterschied in der Entwicklung der Mutter und Kind-Beziehung nach den ersten Tagen
  • Mütter erleben die Operation fast immer (Vollnarkose nur bei schweren Notfällen) mit und bleiben in den Geburtsvorgang eingeschlossen

 

Nachteile für Mutter und Kind

  • Eine Operation ist immer eine Operation – mit allen Risiken wie Kopfschmerzen, Blutdruckabfall, Herzbeschwerden etc.
  • Anpassungsstörungen der Atmung, keine Vorbereitung des Kindes auf die Eigenatmung wie bei der spontanen Geburt
  • die Mutter ist nach dem Kaiserschnitt weniger mobil, es strengt sie an zu sitzen und zu gehen
  • geringere Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin, was zu Verstimmungen führen und in seltenen Fällen eine postnatale Depression auslösen kann
  • starke Schmerzen nach der OP und dem Nachlassen der Anästhesie (hohe Schmerzmittelvergabe)
  • langfristig kann es zu einer erhöhten Anfälligkeit des Kindes für Allergien und Neurodermitis oder Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten kommen
  • Mütter erleben die Operation unerwartet als traumatisch mit
  • Risiko für nachfolgende Geburten: Das Narbengewebe verheilt nicht nur manchmal schlecht und sieht nicht schön aus, es kann auch reißen, weshalb nächste Geburten oft wieder als Kaiserschnitt durchgeführt werden

Gebären ist Chefsache – der Frau

Für mich war entscheidend, wie Stine die Risiken für sich abgewogen hat. Sie war Chef. Und Kaiserin. Sollte ich ihr machomäßig reinreden, wie sie gebären soll?

Nö. Ich mache ja ansonsten schon meine Ansagen. Außerdem glaube ich nicht, dass Richard diese Art der Geburt geschadet hat. Nicht mehr und nicht weniger als eine Geburt nun mal schadet. Geboren werden und Gebären ist ja nicht wie Dreiradfahren oder Eisessen. Es geht um alles und schmerzfrei geht es auch nicht. Vorhin ist Stine aber schon aufgestanden und saß im türkisen Sessel, der bei uns im Zimmer steht, mit Richard im Arm. (Jetzt schlafen beide.) Den Sessel zeige ich. Meine Familie nicht. Die müsst ihr euch vorstellen. Einfach als etwas ganz und gar Perfektes.

Wir haben übrigens ein traumhaftes Zimmer. Sogar die kitschigen Babyfotos hat man weggelassen. Denn wer will schon andere Babies sehen, wenn er gerade sein eigenes nagelneues Baby im Arm hält? Passt gar nicht. Bei der Auswahl der Klinik war die Gestaltung der Innenräume eines unserer Hauptkriterien. Oberflächlich, wie wir sind, nicht wahr, Tim? (Zumindest in meiner Beschreibung beim Vatertypen-Test musste ich ganz schön Federn lassen… Wem das jetzt alles nichts sagt, klickt bitte den Vatertypen-Test und weiß Bescheid. Und wenn einer von euch zufällig auch „voll Max-Ludwig“ ist, bitte schreibt mir!)

Erstes Erbstück für Richard: Mein Dreirad von damals im Garten meiner Eltern von heute.

Stolz auf den Struwwelrichard

Jetzt ist Richard also da. Wie aus dem Ei gepellt, nur die Haare, die stehen ziemlich zu Berge. Die Schwestern hier sind auch schon ganz verliebt in unseren Wuschelkopf. Und meine Mutter und Stines Eltern, die sind gerade auf dem Weg, um ihren Enkelsohn zu bewundern. Ich sitze am Fenster und tippe fleißig. Ich glaube, ich will es einfach der ganzen Welt erzählen: Ich bin Vater. Es kommt mir vor, als würde ich ständig vor Stolz aus allen Nähten platzen. Und morgen im Golfclub werde ich eine Runde ausgeben. Das muss sein. Danach bin ich aber wieder in der Klinik und schwelge einfach im Anblick von Mutter und Kind.

Danke, dass es euch gibt, Stine und Richard.

P.S.: Um meine Papa-Panik zur Geburt maximal runterzufahren, habe ich entschieden, keine Elternzeit zu nehmen, sondern vier Wochen Urlaub. Spart euch eure Kommentare für in vier Wochen… 😉

Über Max-Ludwig

Seid gegrüsst, Väter im Werden oder bereits Gewordene, ich bin Max-Ludwig, 43, verheiratet mit der wunderbaren Stine, die eigentlich alles besser kann als ich ...

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