Martialisch oder melancholisch?

Oder beides. Oder etwas ganz anderers. Das frage ich mich bei diesem Bild. Und darüber will ich heute schreiben. Zumindest anfangen damit, über die unterschiedlichen Rollen von Männern und damit auch von Vaterschaft nachzudenken. Mein Intro: Die 80er, präzise 1984, da war ich noch nicht mal auf der Welt, da sang Herbert Grönemeyer dieses Lied: Männer.

Der Herbert, der hat damals, zwischen Atomstromprotest und Friedensdemo, ein bisschen laut denken wollen, oder singen und sich gefragt: Wann ist ein Mann ein Mann? Ich habe keine Ahnung. Und auch die Unterscheidung zwischen dem sozialen und dem biologischen Geschlecht hilft mir nur bedingt weiter. Gender oder Sex. Was bestimmt, wer ich bin? Vielleicht müsste ich andere Bücher lesen, vielleicht reicht es aber auch, wenn ich sage: Es muss Gerechtigkeit her. Frauen müssen endlich gleichberechtigt sein.

Stricken? Aber dann nur in Peru mit diesen reizenden Damen.

Es ist ja schon ziemlich deutlich geworden, wahrscheinlich, dass ich versuche ein anderes, moderneres Männerbild zu propagieren. Aber ich will auch nicht, dass jetzt jemand denkt, ich sei der weichgespülte Schwaben-Öko, der statt Fussball zu gucken Babysöckchen häkelt. Obwohl… Nein. Das sicher nicht. Strickanleitungen wird es mit mir nicht geben. So. Hört sich fast nach einer versteckten Kampfansage an?  Ist aber nicht so gemeint. Ich stricke, häkle und backe nur einfach nicht gern. Da müsst ihr euch an Max-Ludwig wenden. Der hat sogar seine Baby-Shower mit selbstgemachten Fussball-Cupcakes zum Erfolg geführt.

Max ist ja hier unser Hahn im Korb der Eitelkeiten. Da gibt´s ja so einige, also Eitelkeiten, die Männer haben können. Max pomadiert sich auch sein Haar. Aber in schön. 😉 Der golft. Und der Kalle, der trinkt abends sein Bier und jätet mannhaft den Rasen, auf dem Max-Ludwig am Ende Golf spielt. Also im übertragenen Sinne. Wer ist Chef, wer bestimmt, regiert, diktiert? Diese Frage stellt sich in irgendeiner Weise immer, wenn Männer aufeinander treffen: Sie müssen sich damit auseinandersetzen, wer der Stärkere ist, wer mehr Leistung bringt und wessen Status in der Gesellschaft was gilt.

Ich habe keine Lust darauf. Aber vielleicht ist mein Status auch einfach schon so bürgerlich gefestigt, dass ich gar nicht weiss, wie es anders wäre. Auf jeden Fall will ich mich nicht ständig messen, raufen und den Wettbewerb suchen. Auch nicht mit den Frauen. Überhaupt nicht. Vergleichen? Go home.

Der Mann und die Muse

Was mich aber bewegt, das ist die Frage, wie man es besser machen kann. Nicht vergleichen, aber trotzdem Gleichheit. Ich verfolge die Sexismus-Debatte seit Jahren und seit Brüderle und #metoo noch doppelt. Letztens bin ich da über das Phänomen der Muse gestolpert. Hoppla! Die Muse ist ja nicht erst seit gestern in Verruf geraten. Und was sind Musen: Sind das wirklich alles nur unterdrückte, passive Frauen, die sich Muse nennen oder zu einer solchen plötzlich ernannt werden? Willenlose Geschöpfe, die sehr schön, aber auch sehr mundtot sind. Die nur durch ihr ätherisches Sein den Mann zum Künstler machen und ihn zu Werken inspirieren, allein durch ihre Sinnlichkeit? Die neun Musen der griechischen Mythologie jedenfalls halfen dem göttlichen Genie, seine Begabung zu entfalten und seine Kreativität so zu nutzen, dass wahrhaft Meisterhaftes entstand.

Was wünschst du dir? Die Hände eines Pianisten oder eines Drachentöters? Oder beides?

Und wie war das nach der Antike so? Ob Amanda Lear für Salvador Dali, Camille Claudel für Auguste Rodin oder Yoko Ono für John Lennon: Sie alle waren Musen ihrer Zeit. Nicht unbedingt gemeinsam haben sie, wie schlecht oder gut sie es mit ihren Männern getroffen hatten. Denn Yoko Ono, längst nicht mehr die klassische Muse, erlebte sicher keine Ausbeutung wie die arme Camille, die die letzten dreißig Jahre ihres Lebens in der Psychiatrie verbrachte.

Ich, der Trommler, nicht der begnadete Pianist oder sonstwie ein Künstler, habe meine „musischen Momente“ am ehesten, wenn ich mit mir alleine bin, in die Sonne schaue im Park und dann anfange zu trommeln. Manchmal richtig ekstatisch, bis die Sonne sich senkt, der Mond aufgeht oder ich mir einbilde, der Mond wäre aufgegangen. Übrigens ein Lied, dass ich unserer Tochter nicht vortrommeln, sondern vorsingen möchte: Der Mond ist aufgegangen. Ich möchte, dass sie keine Muse, sondern eine selbstbestimmte Frau ist, die niemandem zu Gefallen elegisch in der Ecke sitzt. Das wäre mein Albtraum. Meinetwegen soll es weniger Kunst, aber dafür mehr toughe Frauen geben, die dann zum Beispiel Kunst machen. Ich bin für musische Männer und unmusische Frauen, die aber gern phantastisch Klavier spielen dürfen…

Hasch mich oder #metoo?

Der arme Ritter, der aus der Zeit gefallen ist, der ruft verzweifelt „Hasch mich!“, aber irgendwie will keiner mehr mitspielen oder twittert stattdessen #metoo. Ich verstehe, dass der Ritter frustiert ist. Aber ich bin der Meinung, man kann Ritterlichkeit neu definieren. Man kann auch einer Frau den Einkauf nach Hause tragen, (nicht nur, wenn sie schwanger ist), ohne sie dabei als schwächlich zu diskriminieren. Man kann aber auch ritterlich als Vater ein Jahr in Elternzeit gehen und den Kampf mit Brei und Windeln aufnehmen. Wie seht ihr das? Ich freue mich auf eine martialisch-melancholische oder einfach anregende Diskussion. Mit Männern. Und Frauen. Mit Vätern. Und Müttern.

 

Was ist Ritterlichkeit heute?

 

 

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Hehe! Mein Name ist Tim, 32, Bio- und Chemielehrer mit Freude und außerdem seit 6 Jahren hocherfreut über meine Partnerin Meike, die ...

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