Väter ziehen neue Saiten auf

Statt immer wieder die alte Leier anzustimmen. Es sei denn, es geht um den Leierkasten, die gute alte Drehorgel, die in Mittel- und Südamerika immer noch sehr präsent ist und bei einigen Liebhabern hierzulande auch. Dies Instrument hatte einst großen Unterhaltungswert und wurde besonders für Kinder gern aufgerüstet: Mit lustigen und bunten Figuren auf dem Kasten, die an die Mechanik des Instruments gekoppelt waren und sich beim Spiel mitbewegten. Wer Interesse hat: Im Märkischen Museum in Berlin kann man alte Drehorgeln bewundern. Vielleicht DIE Antwort auf Hausmusik, wenn man leider kein richtiges Instrument spielen kann. Das richtige Kurbeln lässt sich schnell erlernen und das Kind tanzt dazu…

Eine andere Idee früher musikalischer Bildung, die ja am besten schon im Mutterleib erfolgt, klingt eher nach einem Scherzartikel, der aber tatsächlich käuflich zu erwerben ist… Schaut einfach mal hier nach. Dann seht den Babypod, das einzige Gerät, wie es auf der Website heißt, das nachweislich die Artikulation des ungeborenen Kindes mit Musik stimuliert… Ich führe das nicht weiter aus. Ich sage nur soviel: Dazu muss das Gerät eingeführt werden. Hilfe!

Wie funktioniert eine Drehorgel? Im Märkischen Museum kann man das herausfinden.

Aber ich will nicht zu abseitig werden und auch keine großen Töne spucken, wie das sonst bei mir manchmal der Fall ist. Angeblich. Tim hat mich gebeten, über Musik für Kinder zu schreiben. Er musste die letzte Zeit als Beitragslieferant mehr ran als Kalle und ich, aber er redet mir natürlich trotzdem die ganze Zeit rein, hat auch gerade einen Vatersong im Netz aufgetan, den ich euch nicht vorenthalten will und dann überlegt, ob wir nicht auch so eine nette Anti-Hymne aufnehmen sollten… 😉 Was meint ihr?

Gute Noten für…

… ein paar Jungs und Mädels, die ich bei meiner eigenen Recherche im Netz gefunden habe. Ich habe mich nämlich auch selber mal umgeschaut, dabei den Kalle nicht vergessen, der Hip-Hop gern laut hört, auf seinen selbstgebauten Lautsprechern, die er für Mellie extra nochmal angepasst und umgemodelt und überhaupt ganz neu gemacht hat. Seine „Viecher“ hat er für sie rausgeschmissen und es muss ihm fast das Herz gebrochen haben. Aber ein echter Kerl … tut alles für seine Frau. Oder so ähnlich. Ich hoffe einfach, dass er mit seiner Kleinen viele gute Vibes vor den Boxen genießen wird.

Angetan von Tims Beitrag zur Welt des Kinderbuches, habe ich außerdem in der Buchhandlung Krumulus noch einmal weitergestöbert. Die bieten im Rahmen ihres Vorlesesalons Musik für Kinder und Babys an, was ich unbedingt mit Richard ausprobieren will. Denn bevor es auf den Fussballplatz geht, versuche ich es erstmal mit ein bisschen Kultur. Fussball ist zwar auch eine Kulturleistung, aber … egal, ich muss irgendwie Einsatz zeigen, dass ich was mit unserem Baby unternehme.

Stine braucht ein Zeichen meines Engagements, dass ich als Vater, was auf die Beine stellen kann, was auch ihr gefällt. Sie ist in ihrer Lebensplanung stärker aus dem Takt geraten als sie dachte und schwingt vor allem im Still-Rhythmus. Und das meine ich nicht despektierlich, das meine ich mitfühlend. Ich würde das Stillen von Supersaugermann Richard gern mal übernehmen, aber ich bin eben … nur ein Mann und meine von Vaterstolz geschwellte Brust nährt leider kein Kind. Ich brauche gute Noten von Stine, das ist ganz klar, sonst ist die Harmonie noch mehr gefährdet… 😉

Ein bisschen Katzenmusik

Als Kind habe ich die Lieder von Frederik Vahle gehört. Anne Kaffeekanne und Die Katze tanzt allein. Das waren Lieder, die meine Mutter mitsingen konnte und ich dann bald auch. Liebevoll gitarrengeschrabbelte Lieder der 70er mit viel Aufklärungsgedanken und viel Liebe für´s selbstbestimmte Kind. Nonsenslieder, die Sinn machen.

Wenn ich das höre, wundere ich mich manchmal, wieso ich Bänker geworden bin. Vielleicht, weil es eben nicht so weiterging: so aufgeklärt und lustig, selbstbestimmt und liberal. Weil das Singen am Straßenrand, einfach so nebenbei, als Zwischenjob- und Stopp in der U-Bahn und da, wo man sich niederlässt, doch nur eine Illusion ist. Also bin ich Bänker geworden. Aber Singen hat immer noch etwas Befreiendes für mich. Wenn es nicht gerade Doris Day ist, wie ihr in meinem letzten Beitrag lesen könnt… Vor ein paar Wochen hatte mich da ein Ohrwurm heimgesucht, der eher beängstigend als befreiend war.

Wer noch trällert, unter der Dusche, oder pfeifend beim Putzen, auf dem Weg zur Arbeit, wer summt und zwischendurch auch mal beim Karaoke oder im Kirchenchor schmettert, der hat eigentlich alle Chancen, ganz gut durchs Leben zu kommen, sagt meine Mutter immer. Was meint ihr: Soll ich mich beim Kirchenchor anmelden?

Früh übt sich…

„Gleich wie der Humus das Wachstum erst ermöglicht, so entbindet elementare Musik im Kinde Kräfte, die sonst nicht zur Entfaltung kommen“, stellte Carl Orff (1895-1982) fest, der Komponist der Carmina Burana, der auch Musikpädagoge war. Er setzte sich dafür ein, dass elementare Musik nicht zusätzlich, sondern grundlegend vermittelt wird und erklärte, dass es sich dabei nicht ausschließlich um Musikerziehung handelt, sondern um die Bildung von Menschen.

So klein, so fein, so laut, so MFE!

Seit etwa 40 Jahren gibt es MFE (Abkürzung für Musikalische Früherziehung) und damals spielte das Xylophon die erste Geige. Jedenfalls ist das meine Erinnerung an die Früherziehung nach Noten. Die Noten konnte ich nämlich danach (jetzt nicht mehr) und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ hämmerte ich lustlos in das Blechteil mit den roten Plättchen. Heute ist, hoffentlich, alles anders und mehr im Sinne von Herrn Orff.

MFE ist für Kinder im Vorschulalter (also von 4 bis 6 Jahren) und soll eine altersgerechte musikalische Erziehung sein, die das Kind zur Musik bringt. Mit viel Bewegung, Tanz und Bildern, die dazu gemalt und Instrumenten, die dazu gebastelt werden. Da werden Musikstile vorgestellt und die Musikkultur ferner Länder, da wird gehopst, gewippt und genau hingehört,

Es geht um das elementare Bedürfnis von Kindern, so die pädagogische Idee, den Körper durch die Musik zu erfahren und Musik durch den Körper. Es geht nicht um Erziehung im Sinne eines schnellen und strengen Erlernens von irgendwelchen Regeln oder Noten, sondern um das spielerische sich Bewegen und Einlassen auf die Musik. Der eigene Körper wird zum Instrument und Resonanzraum. Die Kinder lauschen in sich hinein und aus sich heraus. Ich bin gespannt… 😉

Außerdem bekommen die Kleinen Trommeln aller Art, u.a. Handtrommeln, Pauken  und Bongos. Sie entdecken nachgiebiges Material und hartes (Metall), bei Becken verschiedener Größen, bei Triangeln und Gongs. Außerdem lernen sie, je nach Schule, Lotusflöten, Blockflötenköpfe und Kazoos kennen. Sie entdecken die kurzen und trockenen, die langen und weichen Klänge, die sie auf den Instrumenten nachahmen und selber erzeugen. Ich weiß nicht, ob man jedes Kind dazu motivieren kann, aber ich finde, jedes Kind sollte befähigt werden zum musikalischen Ausdruck. Notenlernen gehört zum Glück nicht mehr dazu.

Deutschland sucht das Superkind

In Zeiten des Dauer-Castings und Starsein für Jedermann, wird Musik immer mehr zur Randerscheinung und die Selbstvermarktung zur Hauptsache. Die Sehnsucht nach 15 Minuten Ruhm, treibt Menschen zum Produzieren von sich selbst, aber nicht zur Musik. Das ist wie mit dem ständigen Posten von Selfies, darüber habe ich mal einen Beitrag geschrieben. Jeder will irgendwas abliefern, was den Mief des Berühmtseins ausdünstet und will ständig irgendeinen neuen Song in seiner Spotify-Welt abspeichern, ohne überhaupt noch zu wissen, wie und wo Musik entsteht.

Tim, der mir hier, wie gesagt, reintextet, fragt, ob man Musik nicht sogar am ehesten dort entdeckt, wo erst einmal nur Stille ist. Dort fängt man dann an, wie bekloppt zu lauschen, bis man einzelne Geräusche unterscheidet oder beginnt, einen Rhythmus zu vermuten, ein Auf- und Abschwellen von hohen und tiefen Tönen, bis man fast wie von selbst, mit einem, zum Beispiel, selbstgebastelten Instrument, diese Töne nachempfindet und weiterentwickelt.

Aha.

Also, wenn ich unseren Oberpapaguru Tim richtig verstehe, dann muss man irgendwo in die Einöde, auf einen Berg, ans Meer, dorthin, wo kein Tourist seine Bluetoothbox am Fenster vorbeischwenkt und irgendwer den Superstar sucht, so selbstverständlich dämlich, dass ich fürchte, Richard könnte einmal denken, das wäre die übliche Art, sich um einen Job im Leben zu bewerben.

Es gibt aber auch die, die eine andere Art von Superstardenken verinnerlicht haben. Sie streben nicht nach schnellem Ruhm, aber nach einer superfrühen Bildungselite. Die reden von Gehirnhälften, die mit Musik noch besser zusammenarbeiten. Das sind auch Sätze, die mir Tim reingedichtet hat. Ich sehe das anders, weil ich das Streben nach Bildung, gerade frühzeitig, ziemlich wichtig finde. Meinetwegen kann man das auch mit den Gehirnhälften erklären.

Dieses österreichische Superkind hatte es auch nicht immer leicht…

Ich glaube allerdings, dass es immer mehr Eltern gibt, die ihr Kind für hochbegabt halten und für mindestens so talentiert wie Mozart… Tim (geh mal schlafen!) schreibt mir gerade auf Whatsapp. Er schreibt, es wären auch „neue Saiten“, wenn Väter, Eltern weniger ehrgeizig wären. Sie sollten Musik für Kinder nicht als Wissensplus oder Superskill für den späteren Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt verstehen. Es geht um eine Erfahrung, die das Kind selbstbewusster macht, in dem es seine schöpferische Seite kennenlernt. Nicht um die Karriere in spe. Okay, Tim, reg dich nicht so auf: Carl Orff sieht das ja ganz ähnlich. Und icke eigentlich auch.

Unser zweites Interview

Lest in Kürze unser Interview mit Mark Stocker, der mit seiner Familie in der Schweiz lebt, Vater ist und Musiker und der spannende Methoden entwickelt hat, wie man Kinder von Geburt an „musikalisch begleitet“. Er entdeckt die neuen Saiten! auch sehr gern mit seiner Ukulele. Ein Instrument, klein genug, um es Kindern recht bald in die Hand zu drücken… 😉

Musik hat die Fähigkeit unmittelbar zu berühren. Sie erklärt sich ganz von allein. Ohne Worte. Es gibt zwar Hörgewohnheiten, die vielleicht an Zwölftonmusik zwölfmal scheitern, ich spreche da von mir, aber es gibt auch die Möglichkeit, ich spreche wieder von mir, plötzlich Bach zu hören und das Vogelgezwitscher statt Doris Day, die übrigens auch ein paar ganz gute Lieder hatte…

Es gibt also so viele Saiten und Seiten, dass es mit der Musik für Kinder irgendwie klappen sollte. Und wenn man einfach mit dem Kind durch die Wohnung tanzt. Zu welcher Musik auch immer. Wen juckt´s?! (Ich nehme Chilly…) Solange ihr noch groovt, könnt ihr euch alle Tipps (nur den hier nicht, wenn eure Kids schon ein bisschen größer sind und es Zeit ist für große Oper) schenken. Soviel Freiheit gönne ich euch. Mir nur bedingt. Ich brauche ja gute Noten. Von Stine. Ganz schön anstrengend. Deshalb: Gut, dass alle schlafen.

Welch wunderbare Stille!

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Seid gegrüsst, Väter im Werden oder bereits Gewordene, ich bin Max-Ludwig, 43, verheiratet mit der wunderbaren Stine, die eigentlich alles besser kann als ich ...

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