Mein Foto gehört mir

Genau. Auch Stine würde sich eher als vierter Vater ausgeben, als in unserem unglaublich seriösen und sympathischen Väterblog, ihr Gesicht zu zeigen. Schade eigentlich, denn sie hat wirklich nichts zu verbergen: weder abstehende Ohren, Warzen auf der Nase noch merkelsche Mundwinkel. Aber eben ein Gesicht, das sie nicht zu Markte tragen will. Wenn es um unseren Sohn geht, bin ich da doppelt bei ihr. Denn Kinder, die nicht mal Piep sagen, also sich wehren können, gehören nicht ins Netz gestellt und öffentlich gemacht. Egal, wie groß der Stolz oder der Wunsch ist, sein Glück mit allen zu teilen. Fotos von Kindern sind Privatsache.

Das geht auch mit Emails oder, richtig old school, mit der Post. Das werden wir nämlich machen, wenn Richard da ist: Geburtskarten auf dem klassischen Weg verschicken, damit sich enge Verwandte und Freunde, die Karte gleich an die Küchenwand tackern können. Da haben sie unser Glück noch viel häufiger vor Augen als auf facebook.

Der Selfiesch stinkt vom Kopf her

Klingt jetzt irgendwie sehr moralisch? Ich finde, ein bisschen Moral kann hier nicht schaden. Ich bin ja, laut Kalle und Tim, ein ziemlich eitler Typ, aber inflationär Selfies in die Welt zu blasen, das habe ich dann doch nicht nötig. Sorry, für die Wertung. Mir ist es einfach unsympathisch, wenn man ständig ein Foto von sich raushaut.

Verantwortungslos finde ich es, wenn man dann auch noch Kinderfotos öffentlich macht und sich damit gegenüber Leuten profiliert, bei denen die meisten einem wahrscheinlich nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln gönnen. Bekanntlich sind Neid und Eifersucht ja die Hauptmotive für eine An- bzw. Abmeldung bei Facebook. Mittlerweile ist die Facebook-Depression Volkskrankheit. Da wird dann spioniert, gelästert, getaggt und gedisst und heuchlerisch geschrieen „You are so beautiful“. Also bitte. Soviel Nächstenliebe war noch nie. Aber auch nur wenn prompt ein Kommentar zum eigenen Foto zurückkommt. „Merci, du Liebe ❤“, heisst es dann.

Ich habe gute Freunde mit tausenden von Followern auf Instagram. Ich respektiere meine Freunde, aber ich sage ihnen auch klipp und klar, was ich davon halte. Insbesondere zu der rechtlichen Seite. Denn die ist nicht ohne und wird gern verdrängt. Da wird der Kopf, der überall glänzen soll, nicht eingeschaltet. Das Selfie ist nämlich schnell gepostet oder versendet. Aber wie es dann mit dem unschuldigen Bildchen weitergeht, das macht sich kaum einer klar und stellt sich mal ein paar Fragen. Zum Beispiel: Welche Folgen kann es haben, allzu unbedarft Fotos mit seiner Community oder gar mit der ganzen Welt zu teilen, also ohne Öffentlichkeitsbeschränkungen? Welche Rechte haben Instagram, WhatsApp und Facebook am eigenen Bild, sobald es im Netz ist?

TUT-TUT – ihr das wirklich?

Ich bin berufsmäßig einer von denen, die sich die gesamten Allgemeinen Geschäftsbedingungen, immer sehr genau durchlesen und doch oft genug nur Bahnhof verstehen. Meistens sind diese Rechtstexte so kompliziert oder uneindeutig geschrieben, dass man nicht wirklich durchblickt. Ich möchte heute darüber bloggen, welche Rechte sich die sozialen Netzwerke an geposteten und versendeten Bildern einräumen. Zuallerersteinmal: Wer sich bei Instagram oder Facebook anmeldet, bestätigt automatisch die AGB und räumt diesen Plattformen die Rechte an seinen Bildern ein. Aber welche Rechte eigentlich?

Das Urheberrecht kann man behalten. Wow! Denn es ist nicht übertragbar. Heisst im Klartext: Die eigenen Fotos bleiben eigene Fotos. Man kann also mit seinen Fotos weiterhin machen, was man möchte. Aber Instagram beansprucht für sich das Recht, die Bilder weltweit zu verbreiten – auch außerhalb der Plattform. Das schöne bunte Instagram, das so freundlich und useraffin daher kommt, darf anderen erlauben, die Fotos seiner User-Schäfchen zu verwenden. Es kann die Bilder an Dritte verkaufen. Und zwar ohne, dass man gefragt wird oder etwas von dem Geld abbekommst. Das heißt im Extremfall:

Fotos können überall auftauchen, z. B. auf Werbeplakaten. Yippieh!

Wenn man dann doch mal seinen Instagram-Account löscht, sieht es so aus, als seien die Fotos verschwunden. Aber Pustekuchen: Wurden die Fotos weiterverbreitet, können sie weiterhin auf Instagram zu finden sein. Außerdem hat sich Instagram das Recht gesichert, alle Inhalte, also Fotos oder Videos, zu speichern und diese zu verwenden – unabhängig davon, ob der Account noch besteht oder nicht.

Bei WhatsApp, das zu Facebook gehört, könnte man leicht denken, man würde seine Bilder nur Freunden oder der Familie zeigen. Aber was darf eigentlich WhatsApp mit den versendeten Bildern machen? Anwälte und Medien sind sich uneinig, welche Bildrechte sich WhatsApp mit den ABG einräumt. Es gibt die Meinung, dass WhatsApp alle versendeten Fotos nutzen und an Dritte verkaufen darf. Aber es gibt auch die Meinung, dass WhatsApp allein das Profilbild verwenden und verkaufen darf. Doof genug.

Schöne Worte, nichts gesichert

Quiz am Rande: Wie heisst dieser Fisch?

Hier eine schöne Formulierung, die einen bei genauem Lesen erschauern lassen sollte: Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz zur Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest. Wenn du IP-Inhalte löschst, werden sie auf eine dem Leeren des Papierkorbs auf einem Computer ähnelnde Weise gelöscht.

Das bedeutet: Auch Facebook kann alle Inhalte kommerziell nutzen oder weiterverkaufen. Dieses Recht übergibt jeder Nutzer mit seiner Registrierung. So schnell geht das, so einfach läuft das für Zuckerberg & Co. Und wenn man dann aufgeschreckt ist und eifrig postet, dass man mit den Nutzungsbedingungen nicht einverstanden sei, ist es eben schon zu spät. Man kann ein Bild wieder löschen, aber es darf weiter verbeitet werden, wenn Facebook es zuvor schon für andere Zwecke genutzt hat.

Diesen Geschäftsbedingungen hat man mit der Anmeldung auf der Plattform mit einem lässigen Klick zugestimmt.

Es geht SICHER auch anders

1. Threema
Sicherheit gibt es, wenn man sich für die App Threema entscheidet. Sämtliche Daten werden direkt auf dem Handy verschlüsselt und die Nachrichten können nur vom vorgesehenen Empfänger gelesen werden. Kein Dritter, nicht einmal der Serverbetreiber, kann die Daten einsehen.

2. Telegram
Telegram hat auch den Fokus auf der Sicherheit und funktioniert ähnlich wie Threema, außer dass die Verschlüsselung optional ist. Man kann Nachrichten normal versenden oder sie verschlüsseln. Die App hat alle Funktionen von WhatsApp: Chatten, Dateien versenden, Emoticons, usw. Zusätzlich „zerstören‟ sich Nachrichten nach einer festgelegten Zeit von alleine und sind dann wirklich WEG.

3. Signal
Signal funktioniert genauso wie Threema und Telegram. Alle Nachrichten werden verschlüsselt verschickt. Mit der App können außerdem abhörsichere Telefonate geführt werden.

Mimimi oder mit mir nicht?

Auf Whatsapp sind aber alle „Freunde“? Ach, manno. WhatsApp wird in Deutschland mittlerweile von 30 Millionen Menschen benutzt. Die meisten Leute, die man kennt, sind dort unterwegs. Klar, dass man weiter bequem mit ihnen kommunizieren möchte. Aber vielleicht ziehen sie ja mit um. Zu einer sicheren Alternative. Nicht sofort, aber nach und nach. Auch bei Facebook und WhatsApp war lange Zeit nicht soviel los. Seien wir die Avantgarde des sicheren Datenaustauschs und gehen mit Threema, Telegram oder einfach dem richtigen Signal voran. Was meint ihr?

Ich lasse mich übrigens auch gern eines Besseren belehren. Vielleicht habt ihr überzeugende Argumente. Oder einfach so wahnsinnge gute Erfahrung mit öffentlichen Fotos gemacht, dass ihr nur milde lächeln könnt. Oder ihr lebt davon und findet mich einfach nur bescheuert oder spießig oder paranoid oder feige und fragt euch schon lange, warum unser Blog so „gesichtslos“ ist? Äh… Ich kann ein bisschen Sturm auf diesen Beitrag gut vertragen. Stört mich dazu ruhig in meiner Privatssphäre.

Über Max-Ludwig

Seid gegrüsst, Väter im Werden oder bereits Gewordene, ich bin Max-Ludwig, 43, verheiratet mit der wunderbaren Stine, die eigentlich alles besser kann als ich ...

Alle Beiträge von Max-Ludwig

Alle Beiträge anzeigen

Schreibe dem Autor eine persönliche Nachricht.

Über Max-Ludwig

Seid gegrüsst, Väter im Werden oder bereits Gewordene, ich bin Max-Ludwig, 43, verheiratet mit der wunderbaren Stine, die eigentlich alles besser kann als ich ...


Alle Beiträge von Max-Ludwig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.