Mach‘ ich im Schlaf – den Elterngeld-Antrag.

Schön wär´s. Ich bin seit Wochen todmüde. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich und wenn ich wach bin, bleibt alles unerledigt, was nicht unbedingt erledigt werden muss. Burnout? Oder was ist mir los? Das Kind ist noch nicht mal auf der Welt und ich mache jetzt schon schlapp. 8 Tage bis zur Geburt. Eher weniger. Und eines „unserer Kinder“ ist auch schon da: die kleine Leonie-Sofie. 

Ich bin normalerweise in Sachen Anträge, Formulare ausfüllen, Abheften und Abschicken, wirklich vorbildlich, aber die „Papa-Panik“ hat mich wohl etwas gelähmt. Stine hängt auch durch, sie bewegt sich nur noch, wenn ich mal nicht da bin und geht zum Asia-Grill an der Ecke, um sich Chicken Wings mit Mango-Curry-Sosse zu holen. Das ist seit zwei langen Wochen ihr Lieblingsgericht. Es kommt jeden Abend um 18.30 Uhr auf den kleinen blauen Beistelltisch und seitdem heisst es bei uns: Fast-Food statt Love-Food.

Ich bin ja eher so der Love-Food-Koch, aber wen interessiert das hier noch? Ich habe letzte Woche, bei einer Geschäftreise in die Pfalz, echte Freunde des Love-Foods kennengelernt. Die haben mir gefallen. Die hatten den Beat raus. Und die hatten nicht nur Spaß, sondern auch gute Musik beim Kochen. Noch dazu fleischlos. Aber in ihren Moves fleischeslustig. Das süße Pärchen mit dem Love-Food-Wagen ist mein Tipp, wenn es euch irgendwann mal ins Rhein-Neckar-Gebiet verschlägt oder ihr sowieso schon da wohnt… Schön da. Aber ich lenke ab.

Achtung, Achtung: Beachten Sie unbedingt die Fristen zur Beantragung der Elternzeit.

Genau, jetzt aber mal aufgewacht: Väter müssen ihren Antrag auf Elternzeit frühestens acht, aber nicht später als sieben Wochen vor Beginn der geplanten Elternzeit beim Arbeitgeber einreichen, damit der besondere Kündigungsschutz ab Antragseingang bis zum Ende der Elternzeit besteht. So steht´s geschrieben. Und ich frage mich jetzt, wann, wann stehe ICH sieben Wochen vor Antritt dieser Zeit und wie lange soll diese dann dauern?

Die ersten acht Wochen ist Stine eh im Mutterschutz und Wochenbett, wie es so wenig einladend klingt. Wöchnerin? Kann man sich da nicht auch einmal ein neues Wort überlegen. Neologismen sind doch auf dem Vormarsch. Wie wäre es zum Beispiel mit: Milchparadies oder Nabellos-glücklich-first-time oder Andockphase oder fällt euch was Besseres ein, was nicht ganz so deprimierend und nach Wochenmarkt und Kittelschürze klingt?

Wie heißt es so schön auf der Seite des Senats für Bildung, Jugend und Familie, wo dann auch gleich alle wichtigen Formulare zu finden sind: Insbesondere Väter bekommen durch den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit eine realistische Chance, sich an den Erziehungsaufgaben zu beteiligen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird damit wesentlich verbessert.

Soso. Dann werde ich diese realistische Chance doch mal meinem Arbeitgeber vorstellen. Irgendwie habe ich das dumme Gefühl, dass den das überhaupt nicht jucken wird: Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Ah geh, wird er sagen, weil er Wiener ist, vereinbarens des bitte daheim.

Von A wie Abzüge bis Z wie Zwillinge

Dass das Elterngeld höchstens 1.800 € sind, davon habe ich erst vor Kurzem erfahren. Ehrlich gesagt: Dann können wir die Miete nicht mehr zahlen. Oder ich mache mich an unser Erspartes. Wir sind ganz gut aufgestellt, aber wir gehören auch nicht zu denen, die ihren Anspruch verlieren, weil sie ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 500.000 € haben.

Und der Partnerschaftsbonus wird auch schwierig, weil er nur für Eltern gilt, die sich entscheiden, in vier aufeinander folgenden Lebensmonaten ihres Kindes gleichzeitig jeweils 25 bis 30 Wochenstunden erwerbstätig zu sein. Dann gibt es einen zusätzlichen Partnerschaftsbonus.

Es gibt auch noch die Variante, die Elternzeit flexibler zu gestalten und fröhlich auf die Lebensjahre des Kindes zu verteilen. Würde folgendes heißen: Bis zu 24 Monate bisher nicht beanspruchter Elternzeit zwischen dem dritten Geburtstag und dem vollendeten achten Lebensjahr des Kindes in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig wird die Anmeldefrist für die Inanspruchnahme von Elternzeit und Eltern-Teilzeit in diesem Zeitraum von sieben auf 13 Wochen ausgedehnt.

Also, Freunde, ran an das Antragsformular. Neben der Geburtsbescheinigung und dem Personalausweis, braucht man noch Nachweise über sein Einkommen und die Elternzeit, die man nehmen will. Die Angabe der steuerlichen Identifikationsnummer (IdNr.) des Kindes ist für die Beantragung nicht erforderlich.

Und wenn man sich noch genauer informieren und alphabetisch korrekt durch die Anforderungen und Anträge, die Ausnahmen und Ausnahmen von den Anforderungen in den Anträgen lesen will, dann kann man das hier tun – beim Bundesministerium.

Schmuddelecke aufräumen, streichen, Fernweh kriegen und dann den Antrag stellen?

Kuschel-Kurzurlaub oder

Karriere-Killer und

krasser Vollzeitpapa?

Das ist die Frage, um die es eigentlich geht. Formulare ausfüllen ist ja, wie schon oben erwähnt, eigentlich eine meiner Stärken. Aber eine meiner Schwächen ist es offensichtlich, mich hier für ein Modell mit Stine zu entscheiden. Da ist sie wieder – die „Papa-Panik“. Die bezieht sich einfach auch sehr stark auf meine berufliche Situation, die ich nicht durch zu lange Auszeiten riskieren will. Außerdem ist es bei uns in der Bank nicht unbedingt üblich, dass Männer länger als ein paar Wochen nach der Geburt zuhause bleiben.

Natürlich will ich mit Richard kuscheln und erleben, wie er anfängt zu lächeln, brabbeln, seine Patschehände zum ersten Mal nach der Rassel greifen, wie er morgens wach wird und sich im Kinderbett hochzieht mit roten Schlafbäcken. So stelle ich mir das vor. Krass süß. Ganz wie der Papa. 😉

Aber wie fühlt sich das in der Praxis an: Mit dem Wonneproppen auf einer Decke im Park zu liegen, die dicken kleinen Beinchen strampeln, der Smoothie kippt auf die Decke, die Feuchttücher halten her für das Gröbste und ich lese das Managermagazin und manage in Wirklichkeit Kind und Haushalt?

Über Erfahrungen dankbar wäre euer verpennter Max-Ludwig.

 

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Seid gegrüsst, Väter im Werden oder bereits Gewordene, ich bin Max-Ludwig, 43, verheiratet mit der wunderbaren Stine, die eigentlich alles besser kann als ich ...

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1 Kommentar zu “Mach‘ ich im Schlaf – den Elterngeld-Antrag.”

  1. Sonja Meyerhoff sagt:

    Keine Elternzeit, dein Ernst? Max, Max, Max…!

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