Bring endlich den Müll runter!


Aber um diese Aussage, die seit ewigen Zeiten beliebter Grund für größere oder kleinere Ehe- und Elternkrisen ist, soll es heute gar nicht gehen. Ich unke dennoch: Hätte man nicht so viel gekauft, müsste man auch nicht so oft den Müll runterbringen… Jeder Deutsche besitzt im Durchschnitt 10.000 Dinge, von denen er sich, in den meisten Fällen, nur sehr ungern trennen würde. Aber was sind das für Dinge? Wieviel Kleidung, Krimskrams, technischer Schnickschnack und Deko-Firlefanz gehören dazu? Und sind diese Dinge wirklich wichtig für unser Leben, unsere Identität, braucht man ein Dutzend Kissen auf dem Sofa für die Gemütlichkeit oder ist es einfach gemütlich, nicht darüber nachzudenken, wie die Herstellung dieser Produkte unsere Umwelt belastet? Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem und wahrscheinlich gehe ich so manchen Leuten mit diesen Fragen schon jetzt auf die Nerven.

Ich kann aber mein Sendungsbewusstsein nicht immer unterdrücken, so wie Max-Ludwig sein Bedürfnis Golf zu spielen, nicht immer unter Kontrolle hat und auch gar nicht haben will… 😉 Deshalb mache ich mit meiner Moralkeule einfach weiter: Der Mensch will seine Höhle (von wegen Keule) so wohnlich wie möglich machen. Erst danach macht er sich eventuell Gedanken darüber, ob er das nicht auf Kosten von anderen macht, die kein vergleichbares Refugium haben wie er. Aber wenn man sich erst einmal in seiner Gemütlichkeit eingerichtet hat, dann fällt es schwer, sich davon und den Dingen, die dafür angeschafft wurden, zu lösen.

Minimalismus vs. Materialismus?

Architektur Minimalismus

Minimalismus in der Architektur: Stark reduzierte Formen für eine „neue Einfachheit“. Ludwig Mies van der Rohe (1886 – 1969) war einer der wichtigsten Vertreter der Moderne und prägte eine Architektur des „Weniger ist mehr“.

Das ist menschlich. Und ich würde niemandem diktieren wollen, was für ihn wichtig ist und was nicht, was er braucht und was nicht. Es gibt aber einen Trend, der sich Minimalismus nennt und das obsessiv Angehäufte obsessiv aussortiert. Oft sind es junge Menschen, die den Verzicht feiern können, weil sie nie aus Not verzichten mussten. Aber da wir alle nach Sinn suchen und dieser immer vielfältiger interpretierbar ist, haben mehr oder weniger radikale Konzepte Konjunktur. Endlich eine Antwort auf den Überfluss von Möglichkeiten und Waren.

Viel Gutes steckt in dieser Idee vom Minimalismus. Aber manchmal wird daraus vor allem ein Lifestyle, der am Ende auch nur Konsum ist und gern mit Begriffen wie Kosmisches Gesetz oder Cult of Less gelabelt wird und so auf jeden Jutebeutel passt. Sich in Sachen Konsum zu disziplinieren, ist kein Lifestyle. Sonst wird aus Minimalismus schnell wieder Materialismus, weil sich weiter alles um die Dinge dreht. Dann geht es plötzlich um das „perfekte Minimieren“. Das ist dann „voll mein Ding“. Optimierungsanspruch statt Bewusstsein für Misstände.

Man will Minimieren, um sich selbst zu verbessern und um noch ein paar Punkte auf der Skala des richtigen Lebens einzusammeln. Das ist, aus meiner Mini-Sicht, nur eine andere Art von Egoismus. Das mag als Lifestyle funktionieren, aber nicht als Haltung im Leben. Wer Minimalismus lebt, sollte sich nicht am Aussortieren berauschen, sondern an der Nachhaltigkeit seines Verhaltens.

Etwas was junge Minimalisten einander gern fragen: Nimmst du die Challenge für nicht mehr als 100 Dinge in deinem Leben an? Da wird die Notwendigkeit, auf Dinge zu verzichten, zum Sport und bekommt einen Entertainment-Charakter, der mich ärgert. Dabei gibt es wirklich was zu tun. Nicht immer geht es dabei um Verzicht, vielmehr um die Wahl, die man trifft: Was kaufe ich, was esse ich, was kann ich tauschen oder leihen?

Maximal viel ist die falsche Maxime

Wieviel Plastikfreunde braucht ein Kind?

Das ist ein Prinzip, das ich versuche zu leben. Der Vater des Gedankens 😉 dabei: Es geht um Qualität und nicht um Quantität. Ich brauche nicht das Label Minimalismus, ich will einfach nur nicht mehr verbrauchen als nötig. Viele Dinge kann man auch gar nicht „entsorgen“, weil Erinnerungen damit verbunden sind, die sich nicht einfach aussortieren lassen. Das Bild meiner Oma Hilde, die meinen ersten großen Fisch, den ich mit fünf Jahren gefangen habe, in die Kamera hält, mit spitzen Fingern, das hängt bei uns in der Küche und ich freue mich jeden Tag daran.

Ich weiß, Erinnerungen sind nicht die Dinge, die weg sollen, aber ich finde es wichtiger über das zu reden, was die Dinge kaputt macht. Kinderspielzeug zum Beispiel wird viel zu oft mit Weichmachern, den sogenannnten Phthalaten, zu regelrechten Giftbomben, die Kindern ernsthaft schaden können. Es gibt so viel tolles Spielzeug und eines habe ich schon entdeckt, obwohl ich alles andere als ein Waldörfler bin: der anthroposophische Spielständer,der mulitfunktional einsetzbar ist, aus dem man Theater, Kaufmannsladen oder ein Piratenschiff zaubern kann, mit Phantasie und Holz, das nach Leben und nicht nach Giftmüll riecht. Den will ich haben, da bin ich mal jemand, der unbedingt HABEN WILL. Auch ich habe meine Must haves.

Es geht mir darum, bei jedem Kauf zu fragen: Macht das Sinn? Must ich das haven? Dass nicht alles, was angeblich Sinn macht und zum Beispiel Energie sparen hilft, wirklich eine gute Wahl ist, das weiß ich auch. Die Energiesparlampe, die ist so ein Kandidat: Sie spart tatsächlich, aber, sobald sie zerbricht, ist sie hochgiftig, weil dann das Quecksilber darin giftige Gase absondert, die besonders Kleinkindern gefährlich werden können. Im Hausmüll sollte die Sparlampe, wenn man sie denn benutzen will, deshalb nicht landen.

Maximale Drastik: die Sache mit dem Plastik

Was der Plastikmüll für unsere Umwelt bedeutet, wissen eigentlich mittlerweile alle. Die Bilder von verendenen Tieren, die in einem dicken Plastikmeer ersticken, gehen immer wieder in den sozialen Medien um die Welt, werden in Talkshows zum Thema, nicht nur in diesen Tagen von Umweltaktivisten heiß diskutiert und sind mir ständig präsent. Auch ich produziere Plastikmüll. So wie jeder Deutsche. Im Jahr sind es etwa 450 Kilogramm pro Kopf. Deshalb schnell drei Dinge, die ich euch, trotz aller Hitze und wenn ihr es nicht schon längst tut, ans Herz legen möchte:

  1. Denkt „Achtung, Plastik!“, wenn ihr Plastik seht
  2. und überlegt, ob ihr „das Ding“ wirklich braucht
  3. oder wie ihr das Produkt ohne Plastik erhalten könnt

Das ist schon mal ein Anfang. Wenn ihr mehr wertvolle Infos sucht, dann lest hier nach. Dort gibt es auch Tipps, wie man sinnlos gewordenes Plastik upcyclen kann. Wiederverwerten durch Erfindungsgeist. Ich habe zum Beispiel schon aus zwei Wasserkästen zwei Nachttische gebaut. (Applaus bitte!) Sieht gut aus und hat nicht jeder. Und wenn ihr einmal erleben wollt, wie ästhetisch verpackungsloses Einkaufen ist, wieviel genußvoller für alle Sinne, eben nicht nur pragmatisch und moralisch richtig, sondern auch ein packendes! Erlebnis, an das man sich gewöhnen kann, dann empfehle ich diesen Berliner Supermarkt, den ihr in der Wiener Strasse in Kreuzberg findet.

Minimaler Aufwand für maximale Größe

Ein schöner Anblick: über 600 unverpackte Produkte im Berliner Supermarkt ORIGINAL UNVERPACKT.

Lust but not least: Danke Kalle, für deinen sehr persönlichen Beitrag zum Thema Sicherheit und welche Prioritäten die meisten von uns setzen. Du machst deutlich, dass wir an vielen Stellen nicht mehr über unseren Tellerand schauen, dass wir nur uns in den Blick nehmen und unsere kleinen Sorgen – und ich will da niemandem zu nahe treten – statt wieder einen Blick für die Verhältnismäßigkeiten zu entwickeln und das, was wirklich zählt. Die Angst, unser Wohlstand könnte gefährdet sein, lässt uns Maßnahmen ergreifen und Dinge anschaffen, die eigentlich nur zusätzlicher Ballast sind.

Wir verhindern selbst, dass wir uns anderen Menschen zuwenden, Solidarität zeigen, wenn wir auf Schwächere treffen und verstehen, dass wir uns nicht nur im Kampf gegen die Anderen befinden, die uns überflügeln könnten. Wir sollten versuchen uns gegenseitig Unterstützung zu geben und gegen die Vereinzelung und das Helikopterkreisen wieder ein echtes Gemeinschaftsgefühl setzen. Dann brauchen wir auch weniger Dinge, dann kann das vielleicht aufhören: Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen, mit Geld, das wir nicht haben. Kalle, die Botschaft ist bei mir angekommen. Wie seht ihr das? Oder sagt ihr: Was für´n Müll, Geschwurbel, minimaler Inhalt?

Und was sagt die Werbeindustrie dazu? Seht und hört selbst.

Noch ein paar Sätze zum Countdown, der bei mit gerade stoppt: Der Geburtstermin ist seit 4 Tagen überschritten. Morgen wird die Geburt eingeleitet. Damit hat unsere Tochter die Zeit in Mamas Bauch wirklich maximal genutzt… Ich stehe in Startlöchern, die qualmen und wedle mit Fächern, die hübsch aussehen, aber wenig helfen. Ein überflüssiges Accessoire eben. Muss auch mal sein. Mehr von uns in wenigen Tagen. Drückt uns die Daumen!

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Hehe! Mein Name ist Tim, 32, Bio- und Chemielehrer mit Freude und außerdem seit 6 Jahren hocherfreut über meine Partnerin Meike, die ...

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