Liebe kleine Krumulus…

Lieber hören als lesen? Dann hier entlang.

…niemals will ich werden gruß! Seit unsere Tochter auf der Welt ist, kommt mir diese Beschwörungsformel immer wieder in den Sinn. Ich habe als kleiner Junge davon geträumt, mit Pippi, Tommi und Annika klein und Kind zu bleiben, so ungefähr acht und damit immer besser gelaunt als die Erwachsenen, die so komisch alt waren und ein offenbar ziemlich anstrengendes Leben hatten. Ich habe davon geträumt, den Mond von der abgewandten Seite zu sehen, daran vorbeizufliegen und einen Schatten darauf zu werfen als Supermann. Überhaupt fliegen zu können, zusammen mit meinem Teddy, den ich leider nicht mehr habe. Sonst hätte ich ihn Rosina großzügig vermacht.

Liest mit das Lieblingsbuch – der Leseaffe und das Lieblingskuscheltier von Rosinas Mama.

Ich war nicht nur leidenschaftlicher Angler, wie ihr hier nachlesen könnt, sondern auch Immerwiederleser vom kleinen Wassermann. Das kleine Gespenst habe ich ebenfalls geliebt und dieses Buch habe ich zum Glück noch. Ich nehme es manchmal aus dem Regal, blättere, seufze, höre den Uhu-Schuhu mitfühlend auf das kleine Gespenst einreden und kann es kaum erwarten, diese Geschichte (von Ottfried Preussler) meinem Kind vorzulesen.

Vorfreude auf das Vorlesen

Die Vorfreude wächst. Genauso wie Rosina. Aber noch wird es dauern, bis unsere Kleine an meinen Lippen hängt. Da wir aber gerade damit anfangen, unsere Beiträge auch in der Audio-Version verfügbar bzw. hörbar zu machen, werde ich unsere „weibliche Stimme“ bitten, eines meiner Lieblingskinderbücher (zum Beispiel den „Grüffelo“, siehe im Beitrag weiter unten) auszugsweise vorzulesen. Hier gibt es Infos zu unseren Podcasts und was zu hören gibt es auf Soundcloud.

Vielleicht hat ja einer von euch, bzw. eines eurer Kinder, Freude an den Geschichten, die wir auswählen und vorlesen lassen. Dann machen wir weiter mit dem Vorlesen. Denn Geschichten, Märchen, die Welt der Bücher zugänglich zu machen, ohne viele Hürden, Kosten, Downloads von Apps, das ist mir ein besonderes Anliegen. Da kommt der Lehrer in mir durch. Wenn ihr ein tolles Kinderbuch habt, dass ihr gern einmal hören statt lesen oder vorlesen würdet, schreibt uns einfach. (Bei allen Texten müssen wir vorher sicher stellen, dass wir die Rechte haben, diese vorzutragen.)

Ein wirklich großartiger Vorleser ist übrigens der leider schon verstorbene Übersetzer und Schriftsteller Harry Rowohlt gewesen. Von Pu der Bär (A. A. Milne) über den Milchwald von Dylan Thomas bis zum grummeligen Mr. Gum hat er immer wieder bewiesen hat, dass er eine unverwechselbare Stimme hat, aus der er hunderte Stimmen für hunderte Figuren entwickeln kann. Hört es euch am besten selbst an, wie er es schafft – zum Beispiel bei Mr. Gum oder Pu, der Bär – jeder Figur ihren ganz eigenen Charakter zu geben, stets getragen von dem sanft-sonoren Dröhnen seines Bass`.

Mr Gum ist eine englische Kinderbuch-Serie (Andy Stanton) über einen wirklich nicht sehr netten Mann, der umgeben ist von wirklich nicht sehr gewöhnlichen Vorgängen, Personen und Dingen. Hier wird sich die ganze Zeit über Mr. Gum, die weiteren Verdächtigen, das Buch selbst, in dem es von herzlosen Komikern nur so wimmelt und den Leser, der das auch noch liest, lustig gemacht. Ob Kinder sich dauerhaft auf die ziemlich überdrehte Dauerironie des Textes einlassen können, muss man einfach ausprobieren. Im besten Fall kringeln sich Kinder und Eltern und haben in Mr. Gum einen abgrundtief bösen Menschen gefunden, der sie immer wieder glücklich macht.

(Und wer gerade nicht lesen oder vorlesen mag, der geht einfach ins Kino und schaut sich an, wer Christopher Robin ist…)

Witz komm raus…

…du bist umzingelt, pflegte mein Vater zu sagen und ich weiß bis heute nicht, ob ich das witzig finden soll oder nicht. Über Witze macht sich auch die Buchhandlung Krumulus in Kreuzberg lustig, äh, Gedanken. Krumulus hat Kinder unter dem Motto #zeigdeinenwitz gebeten, ihren Lieblingswitz in Szene zu setzen und zu illustrieren. Das Ganze ist außerdem ein Crowd-Funding-Projekt, bei dem jeder mitmachen kann, der ein Herz für Kinder und ihre Witze hat. Denn dann entsteht ein Buch. Ein sehr witziges. 😉

Heute werde ich da mit meinem Patenkind Frido hingehen, um den ich mich seit Monaten nicht mehr richtig gekümmert habe. Asche auf mein junges Vaterhaupt. Ich mache das aus Zuneigung zu einem famosen Sechsjährigen und weil ich Material brauche für diesen Beitrag: Witzematerial.

Kleines Witzegewitter (einen Tag später)

Krumulus Buchhandlung am Südstern

Illustrierter, dokumentierter, laminierter Witz. Zu finden bei Krumulus. Der Buchhandlung für Kinder am Südstern.

Ich wünsche mir einfach, dass Eltern sehen und entdecken, was Berliner Kinderbuchläden alles auf die Beine stellen. Es gibt so viele Möglichkeiten, Kinder für Bücher zu begeistern, auch schwierige Themen anzusprechen oder einfach Witze zu erzählen. Übrigens eine Fähigkeit, die einige Kinder sofort haben, andere nach einer Weile und manche nie, aber gerade diese Kinder bleiben oft mit sehr viel Eifer dabei. Ich habe ein wenig das Gefühl, dass ich auch zu „diesen Kindern“ gehört habe und irgendwie immer noch gehöre…

Fridos Art Witze zu erzählen ist ebenfalls noch recht holprig und vor allem erzählt er gern Fritzchen-Witze, die er Frido-Witze nennt. Seit unserem Besuch bei Krumulus greift er allerdings vermehrt auf diese reduzierten Einzeiler, Meilensteine und Meisterwerke des schwarzen Humors für Beginner, zurück:

Alle springen über die Schlucht. Nur nicht Peter. Dem fehlt ein Meter.

Alle Kinder wohnen in einem Haus. Nur nicht Ulli. Der wohnt im Gulli.

Alle Kinder fiehen vor dem Gewitter. Nur nicht Fritz. Den trifft der Blitz.

Ahmet Özedmir, der in Aachen lebt, Vater ist, Marketing-Mann und Dozent außerdem, der sich in der CDU engagiert und bei den Aleviten, der eigentlich mehr macht als man (oder ganz sicher ich) eigentlich an einem 24 Stunden-Tag schaffen kann, ein Mann mit Migrationshintergrund und Spaß an Geschichten, der hat ein Buch für Kinder geschrieben. Es geht um Ali und Anton (Vorsicht: Werbung) und warum die beiden, bei aller Verschiedenheit, gleich sind. Denn er selber hat erlebt, wie leicht sich Alltags-Rassismus einschleicht und dass dieser sogar bei seiner Tochter nicht halt machte. Dazu gibt es einen spannenden Artikel in der taz.

AliundAnton

Ein Buch für mehr Miteinander von Anfang an.

Matti Hartmann, der wie wir in Berlin lebt und selber Vater ist, hat sich mit den Jahren zu einem echten Experten in Sachen Kinderbuchliteratur entwickelt. Er geht immer wieder neu auf Entdeckungsreise – mit seinen Kindern und alleine. Ständig auf der Suche nach guten Kinderbüchern, hat er mittlerweile einige in seinen Kinderbuchkanon aufgenommen. Er folgt seiner Lust auf Sprache, Witz und Phantasiewelten, die auch die Erwachsenen wieder zu begeisterten Kinderbuchlesern- und vor allem vorlesern machen. Außerdem hat er seine Seite wunderbar übersichtlich gegliedert und für jedes Jahr (ab 1) passende Buchempfehlungen. Meine erste Wahl, wenn Rosina auf die Eins zukrabbelt, wird ein Buch der unendlichen Wiederholungen sein. Das lieben Kinder. Dieses Buch heißt Nochmal. Also nochmal: Wenn ihr ein Kinderbuch sucht, schaut einfach bei Herrn Hartmann nach…

Dritter Vater im Bunde der Bücher ist Max von Thun. Der Schauspieler, Moderator und Musiker hat das Buch Der Sternenmann geschrieben. Ein Buch für seinen Sohn und eine Gute-Nacht-Geschichte für Kinder ab drei. Denn spätesten seit dem kleinen Häwelmann ist klar, dass Schlafen für Kinder ziemlich oft keine Option ist und dass man nachts noch ziemlich viel, selbst wenn es stockdunkel ist und man selbst nicht größer als ein großer Käse, unternehmen kann. Zum Beispiel dem Mond gehörig auf den Wecker gehen. Was in der Geschichte vom Sternenmann die Protagonisten wach hält, erfahrt ihr in unser neuen Rubrik INTERVIEW. Dort antwortet Max von Thun auf 11 Fragen zu seinem Kinderbuch und wie es zu diesem gekommen ist. Wir freuen uns stark!

Im Büchermeer…

Ein ausgesprochen amüsantes, hintersinniges, manchmal sogar leicht gruseliges Bilderbuch, bei dem man alle Reime bald auswendig aufsagt, ist der Grüffelo. Den hat Frido geliebt und den gibt es jetzt sogar auf schwäbisch. Isch net wahr! Den Grüffelo sollte jedes Kind kennenlernen. Und auch die ziemlich listige Maus, die mit Schattenspiel und Schreckensbildern, nicht nur den Grüffelo, sondern auch alle anderen Tiere im Wald, die sie gern fressen würden, in Schach hält.

Kinderliteratur unterscheidet sich nicht von Erwachsenenliteratur. Sie ist genauso gelungen oder misslungen wie Literatur für ältere Leser. Ein Kinderbuch erzählt eine gute Geschichte oder nicht, findet schöne, feine, kluge, klangvolle, neue, alte Worte mit Sinn und Hintersinn oder nicht, beschäftigt sich mit Fragen, die interessieren ODER EBEN NICHT. Es gibt so viele wunderbare Kinderbücher. Aber auch viele Bücher, um die man einfach einen Bogen machen kann, weil sie keine Geschichten sind, die überdauern. Sie werden den Kindern, die sie gelesen haben, in 30, 40, 50 oder 100 Jahren nichts mehr bedeuten. Sie werden vergessen sein.

Geschichten, die man immer wieder erzählt, so wie die Grimmschen Märchen, sind die Kategorie von Geschichten nach denen ich suche. Dann können es nicht genug Bücher sein und wird man im Büchermeer schwimmen und immer wieder eine neue Insel entdecken. Die von Robinson und Freitag, vom Urmel oder dem Robotermädchen Roz und so viele, viele mehr… In diesem Sinne –

einer geht noch: Alle Kinder fliehen vor den Piranhas. Nur nicht Annegret. Die im Becken steht. 🙂

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Hehe! Mein Name ist Tim, 32, Bio- und Chemielehrer mit Freude und außerdem seit 6 Jahren hocherfreut über meine Partnerin Meike, die ...

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1 Kommentar zu “Liebe kleine Krumulus…”

  1. Uwe sagt:

    Ich habe auch einen: Alle Kinder sitzen um das Lagerfeuer, nur nicht Gitte, die sitzt in der Mitte.
    Toller Artikel!

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