Bett Idea: Das Familienbett

Stillende Nacht, schlaflose Nacht… Dieses Lied, in fragwürdiger Variation, singe ich seit Wochen. Wie lange geht das jetzt noch so? Bis Weihnachten? Ich habe mich mittlerweile ausquartiert. Ins Galeriezimmer. Mit Blick auf den Traumfänger, der da baumelt und den eine Freundin von Stine da irgendwann mal aufgehängt hat, als sie bei uns zu Besuch war und das Feng Shui nicht stimmte. Sie durfte aber keine Möbel umstellen. Sie musste sich damit begnügen, ihren Traumfänger aufzuhängen und Geister auszuräuchern war auch nicht drin. Eine ungewöhnlich mystische Person, esoterisch wäre das falsche Wort, weil sie einfach zu glaubhaft düster war. Ich jedenfalls habe mich gefürchtet. Ich weiß bis heute nicht, woher Stine sie eigentlich kannte und hätte längst den Traumfänger weggeschmissen, wenn mir nicht, mit Augen, die rot zu leuchten schienen, aber mit schalkhaftem Zeigefingergewedel, zugeraunt worden wäre: „Lass den Dreamcatcher an seinem Platz. Du wirst es mir eines Tages danken.“ Aha. Oho. Schuhu!

Erst wurde ich Vater – dann Zombie

Sollte dieser Tag gekommen sein? Sollte der zombiehafte Auftritt von dieser Frau, deren Namen ich sicherheitshalber verdrängt habe, der Vorgeschmack, eine gruselige Vorwegnahme MEINES Zombiedaseins gewesen sein. Denn ich bin: übernächtigt, schwitzend (ok, es ist zu heiß, für alle), reizbar (schlimm), irgendwie labil, weil die Stimmung seit Tagen im Keller ist und meine Entscheidung, keine Elternzeit zu nehmen, langsam bei Stine ankommt. Aber nicht gut.

Süße Träume?

In der ersten Woche habe ich noch in unserem gemeinsamen Bett geschlafen, dann habe ich verstanden, dass ich eher störe und, ja, auch gestört werde. Ich bin ein Mann, ich kann nicht stillen. Obwohl Stine gesagt hat, ich könne nachts mal wickeln oder rumtragen. Ich habe es versucht. Aber Richard hat geschrieen, wutentbrannt. Das kleine Gesicht lief rot an und die winzigen Händchen schienen zu Fäusten geballt. Ich war eher Feindbild als Papa. Manno.

Zombie oder doch nur eine Eule?

Für Stine sind das Ausreden und bin ich ein „Jammerlappen“, der „ins Büro abhaut“. Das ist nicht gerecht, aber ich kann auch verstehen, dass sie einiges durchmacht, besonders die Nächte, und deshalb nicht immer die richtigen Worte findet. Ich hatte es mir nicht so vorgestellt. Ich hatte mich auch vorbereitet, eingelesen, unter anderem mit „Jedes Kind kann schlafen lernen“:  Auf der Seite von den Rabeneltern, habe ich eine gute Zusammenfassung dazu gefunden, eine kritische, was Tim freuen wird, nicht wahr, Timmi? Ich hatte keine Ahnung, dass Kinder nachts manchmal stündlich an Mamas Brust wollen…

Bin ich blöd, Mann?

Ja, ich weiß, dass Kalle, dessen Beitrag ich in vielem folgen kann, nichts so gefeiert hat, wie das Familienbett. Aber ich bin, siehe Foto, keine krasse Eule, sondern einfach nur Max-Ludwig. MIttlerweile bin ich allerdings weder Max-Ludwig noch Vater. Ich bin ein Zombie. Und scheinbar auch ein Blödmann. Zumindest wenn man Sonya Krauss und ihrem neuen Buch „Baustelle Blödmann –  jetzt bringe ich ihn um“ Glauben schenkt. Dieses Buch hat Stine letzte Woche von einer Freundin, zum Glück eine Person ohne unheimliche Nebeneffekte, geschenkt bekommen. Das Buch allerdings ist ein einziger Effekthascher und Stine liesst manchmal daraus vor und erwartet, dass ich „über mich lache“. Hahaha.

Manchmal habe ich dann auch noch Albträume. Da träume ich von Richards Zukunft. Dazu habe ich gestern, schlaflos in Pankow, einen Artikel im Spiegel gefunden, bei dem meine Augen noch größer und röter wurden. Da ist von Kindern die Rede, die noch mit fünf Jahren! selbstverständlich bei ihren Eltern im Bett schlafen… Außerdem sehe ich überall Jungs, die jetzt gerade jugendlich werden, die Digital Natives, und wie sie ihre Pokemons suchen oder in ihren Whatsapp-Gruppen schräge Kettenbriefe verschicken, die sie dann ungefähr so sehr erschecken als würden sie mich noch vor der Morgenrasur sehen… Was soll aus diesen seltsamen Kindern werden? Sie schauen nach unten und würden beim Abschlag auf dem Golfplatz nicht mal dem Ball hinterherschauen, sondern einfach wieder auf ihr Gerät.

Zwischen Doris Day und Display

Ich phantasiere und grüble und habe Visionen zu Richards Leben in zehn Jahren oder in zwanzig. Ich stelle mir vor, das gute Handwerk begeistert ihn und nicht das Handy. Wäre das nicht was: Als Zimmermann, fröhlich pfeifend durch die Welt ziehen statt über das Display zu wischen? Solche gedanklichen Ansätze kenne ich gar nicht von mir. Ich will ja nicht das Abi mit 13, wie Kalle in seinem Beitrag schreibt, aber Zimmermann? Das ist neu.

Que sera sera? What will be, will be?

Dieses Lied höre ich jetzt immer 33 Mal zum Einschlafen, unter dem Traumfänger. Wenn euch das Angst macht, kann ich das verstehen. Aber mir macht auch vieles Angst. Die Papa-Panik ist zurück, der Golfplatz wird zum roten Tuch zwischen Stine und mir, die Bundesliga hat noch nicht angefangen und Doris Day singt mich daily in den Schlaf… An Halloween bin ich auf jeden Fall auch ungeschminkt ein echter Strassenschreck. Ich werde meinen Chef, der die Unternehmens-Kita, die ja mein Ziel ist, die ich Stine eigentlich verprochen habe, mit der ich meine nicht genommene Elternzeit seit Wochen rechtfertige, einfach so furchtbar mit meiner Erscheinung erschrecken, dass die Kostenplanung zum Kuschelkissen wird… Dann hau ich mich dort auf´s Ohr. In der Kita. Gute Nacht!

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Seid gegrüsst, Väter im Werden oder bereits Gewordene, ich bin Max-Ludwig, 43, verheiratet mit der wunderbaren Stine, die eigentlich alles besser kann als ich ...

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